VERA BONSEN

Winterreise

Grundstimmung dieses Zyklus ist die Verarbeitung von Verlust, der Mensch in einer ihm entfremdeten Welt, hin- und hergerissen zwischen schmerzlicher Erinnerung an eine nicht mehr zurückholbare Vergangenheit, einem Unvermögen, die Gegenwart zu leben, außer in der Stagnation und der Angst vor einer ungewissen Zukunft. Eine Reflexion über das Leben, die Liebe, die sich in einem ziellosen Wandern äußert, welches zum einen in eine fiebrige Suche, zum anderen in Vereisung und Isolation mündet.

Hier zeigt sich die zeitlose Aktualität des Themas und der Bildmotive. Wir begeben uns auf einen Weg ohne Ziel, mit starken Stimmungsgegensätzen, mit inneren Ausbrüchen der Hoffnung und der neu geschöpften Kraft, die sich wiederholen und in eine erneute Monotonie münden.
Es finden keine wirklichen menschlichen Begegnungen statt, nur in den vielschichtigen Blickwinkeln des Individuums, mal aus der Ferne, mal aus einer Vogelperspektive, auch durch die Augen der anderen, in der Sprachlosigkeit, im grußlosen Aneinander Vorbeigehen, in einer latenten, allgegenwärtigen Bedrohung, in den immer wiederkehrenden Erinnerungsfantasien.

Aus jedem einzelnen Bild k├Ânnen wiederum Serien entstehen, auch Bilder der Erwartung, der Hoffnung und der Ruhe, ein Blick nach innen gerichtet.

Die Bilderserie ist 2009 und 2010 entstanden.

Meine Arbeit sehe ich unter dem Begriff inszenierte Fotografie als eine Fortführung meiner Theaterarbeit als Bühnen- und Kostümbildnerin an, in der ich Techniken (z.B. Modellbau) anwenden kann, die wiederum durch die Fotografie zu einer anderen Realität gelangen.

Vera Bonsen 2009